working on my ‘links oben skills’: meine GFK- Trainerausbildung

Erinnert ihr euch an den Blogartikel „Wie wir eine Organisation aufbauen, die wirklich die Welt verbessert – ohne dabei auszubrennen“, den wir vor ein paar Wochen gepostet haben um euch zu zeigen, was hinter den schönen plastikfreien Trinkflaschen noch alles steckt? Und habt ihr noch die vielen Quadranten im Kopf - oben links, oben rechts, unten links, unten rechts - ein kleines soulbottles-Schachbrett, in dem wir uns wie Pferd und Springer bewegen, um in Balance zu bleiben?

Ende September habe ich mich, gemeinsam mit Paul intensiv dem „links oben“ Quadranten gewidmet. Zugegeben, natürlich ohne dabei zu denken „oh, jetzt arbeite ich mal an dem Ausbau meiner links oben skills“. Von dieser Erfahrung möchte ich euch gerne erzählen.

Wie alles begann: ein Rückblick.

Anfang 2012 habe ich begonnen, mich mit Gewaltfreier Kommunikation zu beschäftigen. Als mir ein Freund damals davon erzählte, stieß er bei mir zunächst auf Skepsis: Herzensnähe und Giraffen - damit konnte ich erst mal wenig anfangen. Doch nach der Lektüre eines Einführungsbuchs von Marshall Rosenberg konnte ich es kaum erwarten, meinen ersten Kurs zu besuchen. Die Sehnsucht, mich wirklich mit anderen Menschen verbinden zu können, mich selbst von ständigem inneren Druck und einem „du solltest so oder so sein“ zu befreien, und gleichzeitig auch ein Handwerkszeug für den Umgang mit Konflikten zu lernen - das erschien mir sehr verlockend. Und so begann mein persönlicher Weg zu einer wertschätzenden, bedürfnisorientierten Kommunikation mit mir selbst und anderen, den ich seit Anfang 2014 noch ausbaue, indem ich selbst GFK Einführungsseminare für Jugendliche gebe.

Kleines GFK 1x1 für Einsteiger. Mit Schokolade.

Oh, bin ich jetzt einen Schritt vorausgeeilt? Und ihr steht genau an dem Punkt, an dem ich mich 2012 befand und das GFK ist ein großes ? für euch? Und trotzdem seid ihr interessiert?

Die Gewaltfreie Kommunikation ist eine Lebenseinstellung, die auf der Methode beruht, mit anderen Menschen und sich selbst ohne Bewertungen und Urteile zu kommunizieren. Die Grundannahme ist, dass hinter jedem unserer Gefühle erfüllte oder unerfüllte Bedürfnisse stehen. Und dass hinter allem was wir tun der mehr oder weniger erfolgreiche Versuch steht, sich diese Bedürfnisse zu erfüllen. Mit Hilfe der Empathie kann man diesen Bedürfnissen und Gefühlen auf die Spur kommen, die im Alltag häufig hinter eingelebten Glaubenssätzen und gewohnten Strategien versteckt sind.

Ein kleines Beispiel für Selbstempathie.
Ich habe gerade eine halbe Tafel Schokolade verputzt - und das, obwohl ich doch auf meine Ernährung achten wollte! Und jetzt ärgere ich mich über mich selbst und verspreche mir ganz fest, dafür morgen auf den Geburtstagskuchen bei soulbottles zu verzichten. Und schon bin ich drin in meinen Urteilen über mich selbst und voller Schuldgefühle.

Und die GFK - Perspektive?

Die fragt zunächst danach, was denn jetzt wirklich passiert ist. Dabei geht es um die wahrnehmbare Beobachtung, nicht um Wertung. „Ich habe eine halbe Tafel Schokolade gegessen“. Ich horche in mich hinein: Wie fühle ich mich jetzt? Gesättigt? Frustriert? Da kann jetzt eine Vielzahl von ganz unterschiedlichen Gefühlen am Start sein. Und dann kann ich überlegen: Warum fühle ich mich wohl frustriert? Weil ich ein Bedürfnis danach habe, auf meinen Körper zu achten; nach Gesundheit und Fitness. Und weil ich den verankerten Glaubenssatz habe, dass Schokolade dem nicht förderlich ist. Jetzt kann ich es aber auch so sehen: Wow - wie schön - ich kann meine Bedürfnisse wertschätzen! Wie schön das ist, dass ich auf meine Gesundheit achten möchte! Und schon bin ich weg aus der Ecke der Urteile und der Schuld und in der Schönheit der Bedürfnisse.

Next Step: Nochmal kurz gegenchecken.

„Meine Handlungen sind mehr oder weniger erfolgreiche Versuche, meine Bedürfnisse zu erfüllen“ (Erinnert ihr euch?) Warum habe ich überhaupt Schoki gegessen? Damit habe ich mir wohl nicht das Bedürfnis nach Fitness und Gesundheit erfüllt, aber was stand dann dahinter? Vielleicht ein Bedürfnis nach Genuss, Sättigung, Gemeinsamkeit (vielleicht haben wir die Tafel ja zusammen weggesnackt?!)? Und wieder die Erkenntnis: Wow - wie schön, was für eine Vielzahl von Bedürfnissen in mir lebendig sind!

Unglaublich, was hinter so einem „ach, bin ich blöd, dass ich jetzt die Schokolade gegessen habe, obwohl ich doch weniger Süßes essen wollte“ stecken kann, oder!? Es gibt eben eine Vielzahl von Bedürfnissen, die auch zur gleichen Zeit und konkurrierend zueinander in mir lebendig sein können. In einem letzten Schritt kann ich noch mal in mich hinein horchen und mich fragen, was ich mir denn jetzt konkret von mir wünsche. Auf meine Gesundheit und Fitness zu achten? Und weniger Süßes zu essen erscheint mir wie die richtige Strategie? Dann bitte ich mich doch um das! Ich verspreche euch - so vieles macht so viel mehr Spaß und ist so viel leichter wenn man anfängt zu verstehen, was hinter unseren Gefühlen steht. Ab und an die eigenen Strategien zu hinterfragen und zu schauen, was ich mir eigentlich für Bedürfnisse erfüllen möchte, kann auch ganz hilfreich sein. ;)

Und was haben Schokolade, GFK und soulbottles gemeinsam?

Ein wesentlicher Grund, weshalb ich mich damals bei soulbottles als COO beworben habe, war die Aussicht gemeinsam mit Menschen zu arbeiten, deren Wertebasis mit meiner übereinstimmt. KollegInnen (na gut, heute alles FreundInnen), bei denen ich wusste, dass ich aufrichtig kommunizieren kann, dass meine Bedürfnisse wahrgenommen werden, und gegenseitige Empathie auf offene Arme (und Herzen) stößt. Es ist wunderbar mit Menschen zu arbeiten, die mich darin unterstützen, mich von Urteilen und Gedankenmustern von richtig / falsch … zu befreien und dies auch zurückgeben zu können. Und um das noch besser zu können, habe ich im Juli meine Trainerausbildung in Gewaltfreier Kommunikation begonnen. Konkret heißt das: 22 Trainingstage aufgeteilt auf 4 x 1 Woche Intensivtraining zusammen mit 15 anderen begeisterten GFKlern auf einem kleinen Hof in Bayern. In der Trainerausbildung habe ich sowohl die Möglichkeit, mir durch die intensive Beschäftigung noch mehr hard skills (Methoden …) anzueignen, als auch, die GFK Haltung zu üben und zu verinnerlichen.

So - jetzt aber mal cut to the core! Ich möchte euch ja auch noch von ein paar Inhalten der GFK-Trainerausbildung erzählen. In der ersten Woche im Juli haben wir vor allem mit Videoanalysen gearbeitet. Dabei haben wir Konfliktsituationen aus unserem eigenen Leben nachgespielt und anschließend analysiert. Auch haben wir Empathieübungen in Rollenspielen gemacht und in stundenlanger intensiver Kleingruppenarbeit die sogenannten „Schlüsselunterscheidungen“ (einen guten Überblick dazu findet ihr hier) erarbeitet. In der zweiten Trainerwoche sind wir noch intensiver auf die Prozesse eingegangen. So ging es immer mehr ans Eingemachte: „Wie kann ich gewaltfrei schreien? Andere gewaltfrei unterbrechen? Wie kann ich gewaltfrei „nein“ sagen?“ Eine spannende Erkenntnis, dass gewaltfrei zu sein eben nicht zwangsläufig nett sein bedeutet, sondern in erster Linie aufrichtig sein. Auch haben wir mit Mediationsmethoden gelernt, wie man als unbeteiligter Dritter in einer Konfliktsituation vermitteln kann. Und wie ganz nebenbei hat es gegen Ende der zweiten Trainerwoche bei mir Klick gemacht und plötzlich fühlte sich Empathie geben, nach meinen Gefühlen und Bedürfnisse zu spüren und anderen wertfrei zu begegnen nicht mehr schwer, sondern schwerelos und wunderbar leicht an.

Jetzt, im Alltag, einige Wochen nach Rückkehr aus der bayrischen Provinz aka dem GFK Paradies, fällt es mir natürlich nicht immer ganz so leicht, in der inneren GFK Haltung zu bleiben, doch empfinde ich viel größere Offenheit gegenüber allem was ich fühle, und was ich im Austausch mit anderen erlebe und spüre immer noch die Lebendigkeit, die ich mir aus der Trainingswoche mitgenommen habe. Und das unterstützt mich darin, in meinem soulbottles-Alltag wertschätzend mit KollegInnen, KundInnen, Lieferanten, Produzenten, DesignerInnen, etc. zu kommunizieren um soulbottles noch cooler zu machen.

Übrigens - true story - während ich diesen Blogartikel in meinem Lieblingscafe sitzend geschrieben habe, hat sich das Pärchen am Tisch hinter mir über GFK als Chance um ihre Kommunikationsschwierigkeiten in den Griff zu bekommen, unterhalten! Was für ein schönes Gefühl, dass immer mehr Menschen darauf vertrauen, dass wertschätzende Kommunikation wirklich Verbindung zwischen Menschen herstellen kann.

Ich freue mich auf euer Feedback und darauf, mich mit euch auszutauschen - über GFK und alles, was euch sonst dazu einfällt.

 
 

Kommentar schreiben

 

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.