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20190128_lessplastic_Blog_Teil2

Was unser gelber Sack mit der Plastikflut zu tun hat • Less plastic is fantastic – Teil 2

Letzte Woche haben wir euch gezeigt, wie Plastik in nur wenigen Jahrzehnten zu einer großen Herausforderung für Mensch, Tier und Umwelt geworden ist. Diese Woche geht es weiter mit #lessplasticisfantastic! In diesem Rahmen forschen wir nach, wie gut die deutsche Mülltrennung wirklich funktioniert, wie unsere Chipstüte mit dem Müllproblem in Malaysia zusammenhängt und welche Schritte die Politik aktuell geht. Los geht’s!

 

Was haben wir damit zu tun?

Deutschland ist Europameister!! Leider reden wir hier weder von Fuß- noch von Handball, sondern von Abfall. 455 Kilogramm Müll produziert jeder Deutsche im Jahr, rund die Hälfte davon sind Verpackungen. Auch mit 37 kg Plastik pro Durchschnittsdeutscher*m liegen wir deutlich über dem Europäischen Schnitt von 31 kg. Und obwohl wir uns ziemlich oft für das deutsche Recyclingsystem auf die eigene Schulter klopfen, sieht die Realität doch nicht so rosig aus.

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„Ach, aber wir recyceln ja...”

Recycling ist ein unfassbar wichtiger Schritt in Richtung nachhaltige Zukunft und sollte eigentlich komplett selbstverständlich sein. Denn nur wenn wir wertvolle Materialien sammeln und zurückführen, können daraus auch neue Produkte entstehen. Nur leider funktioniert das Ganze auch bei uns in Europa nicht so easy, wie man denkt...

 

Alles nur Definitionssache?

Zugegeben: wir sind schon etwas stolz auf unsere bunten Tonnen und schreiben uns Mülltrennung sehr groß auf die Nachhaltigkeits-Fahne. Und tatsächlich führen wir oft in internationalen Recycling-Vergleichen.

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Die offiziellen Angaben des statistischen Bundesamt geben Deutschland eine klare Vorreiterposition im europäischen Raum, doch ein genauer Blick zeigt andere Zahlen. Denn in unsere Quoten wird alles reingerechnet, was in Reyclinganlagen gebracht wird, unabhängig davon, was schlussendlich mit dem Abfall passiert. Die Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft (DGAW) hat 2015 eine große Studie durchgeführt, um die tatsächliche Quote herauszufinden und berechnete statt der offiziellen Wiederverwertung von 67% des deutsches Hausmülls nur eine Quote von ca. 38-40%. Genauso schrumpfen die offiziellen Angaben bei Papier und Karton von 99% auf 89% Recycling und bei Kunststoffen werden statt der öffentlichen Angabe von 83% laut DGAW nur 20-50% tatsächlich wiederverwendet.

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Probleme beim Recycling

Die Wiederverwertung von Kunststoffen ist nicht so einfach, wie man es sich vorstellt. Es gibt viele verschiedene Plastikarten mit unterschiedlichen Merkmalen, die getrennt recycelt werden müssen. Ähnlich wie bei Produktdesigns, welche mehrere Plastikarten vereinen, erschwert verschmutzter Müll den Prozess. Oft wird Kunststoff „downgecycelt“, was zur Folge hat, dass sich mit jedem Recyclingprozess die Qualitätsmerkmale verschlechtern. Hinzu kommt, dass Recycling für Verwertungsanlagen teils teurer sein kann als die „thermische Verwertung”, der beschönigte Ausdruck für Müllverbrennung, oder der Export in andere Länder.

 

Deutscher Plastikmüll in Malaysia

In Deutschland kommt nur relativ reiner Plastikmüll zurück in den Kreislauf, während ein großer Anteil in riesigen Ballen exportiert wird und trotzdem in der offiziellen Quote mit vermerkt wird. Doch die tatsächliche Kontrolle über den weiteren Weg, den unser gelber Sack in der Welt nimmt, geht verloren.

Bis Ende 2017 war China der weltgrößte Abnehmer für Kunststoff und nahm fast die Hälfte der globalen Handelsmenge an. Seit dem chinesischen Exportstopp im Januar 2018 geht der Löwenanteil unseres Kunststoffes, rund 100.000 Tonnen Plastik allein in diesem Jahr, nun an Malaysia. Und so kommt es, dass sich deutscher Verpackungsmüll auf malaysischen Halden stapelt, ohne dass wir viel Einfluss haben, was damit passiert. Denn die Kette an verschiedenen Abnehmern ist komplex, und eine Kontrolle durch Korruption, politische Interessen und eine schwache Gesetzeslage nur schwer möglich. Und so passiert es unter Umständen, dass neben einem Recyclinganteil auch unser Müll unter kontroversen Bedingungen verbrannt wird oder doch in der Umwelt landet.

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Die Politik zieht nach

Dass es so nicht weitergehen kann, wird langsam auch der Politik klar. Städte wie New York führen Einweg-Verbote ein, und sogar das Europäische Parlament stimmte einem Plastikverbot zu. Aktuell gibt es Verbote für Plastiktüten in 32 Ländern, 18 davon in Afrika. Auch die EU hat Ende 2019 beschlossen, bestimmte Plastik- und Styroporgegenstände ab 2021 zu verbieten: Dazu gehören sowohl Strohhalme als auch Einmalbesteck, Luftballonstäbe und Wattestäbchen. Außerdem müssen weitere Einwegprodukte mit Plastikgehalt, wie zum Beispiel Feuchttücher, ordentlich gekennzeichnet werden und Hersteller sollen für die Kosten von Sammlung und Verwertung der betreffenden Produkte aufkommen, wie z.B. bei Zigarettenstummeln.


Der deutsche Plan gegen Plastik

Seit Januar 2019 ist das neue Verpackungsgesetz der Bundesregierung in Kraft getreten, welches bis 2022 für Verpackungen einen Recyclinganteil von 63% fordert. Zudem legte das Umweltministerium im November 2018 einen Fünf-Punkte-Plan für das Plastikproblem vor. Kurzfassung? Gerne doch!

  1. Vermeiden von überflüssigem Plastik – ähnlich wie die EU, nur schon ab 2019. Zudem kommt ein Mikroplastik-Verbot für Kosmetik bis 2020
  2. Umweltfreundliche Verpackungen mit recyclingfähigem Produktdesign
  3. Verbesserung der Recyclingquote
  4. Aufklärung für ein müllfreieres Konsumverhalten und richtige Mülltrennung
  5. Kampf gegen Müll in den Meeren mit Investitionen von 40 Millionen Euro für 2019


„Aus den Augen, aus dem Sinn” funktioniert nicht

Wie man sieht, endet die Verantwortung über den eigenen Müll nicht einfach in dem Moment, wo wir ihn in eine Tonne schmeißen. Auch in Deutschland können wir uns nicht allein auf unserem guten Mülltrennungs-Gewissen ausruhen. Sowohl Europa als auch die Bundesregierung gehen bereits erste gesetzliche Schritte und wir hoffen, dass weitere bald folgen.

 

Just live with less!

Doch auch gesellschaftliches Umdenken ist gefragt: Jede*r von uns kann im Alltag aktiv werden und den eigen Konsum nachhaltiger gestalten! Momentan verbrauchen wir 1,7 mal mehr Ressourcen, als die Erde regenerieren kann, und schädigen so dauerhaft wertvolle Ökosysteme.

Doch unsere Bequemlichkeit muss nicht zu Lasten der Umwelt passieren, denn es gibt so viele tolle Alternativen, mit denen jede*r von uns müllfrei(er) leben kann. Sei dabei, teile deine Tipps und Tricks und mache mit uns gemeinsam Wind für eine Änderung der Wegwerfmentalität! Denn wir sind der festen Überzeugung: #lessplasticisfantastic ! :)

Falls du ihn verpasst hast, hier geht's zu Teil 1 – Was ist eigentlich das Problem an Plastik?