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Auf der Arbeit über Gefühle reden und anderer Hippie-Blödsinn: Gewaltfreie Kommunikation bei soulbottles

Vor langer, langer Zeit… als es soulbottles noch gar nicht gab, habe ich Georg beim Kellnern in der Wiener Hofburg kennengelernt. Wir waren beide sogenannte Numerus-Clausus-Flüchtlinge, also Deutsche, die nach Österreich zum Studieren gekommen waren, weil ihre Noten zu schlecht waren. In Wien angekommen haben Georg und ich dann eigentlich eh wenig studiert. Er wollte ein Social Business starten und ich Punkrock spielen.

Ein Jahr bevor er nach Wien kam, hatte Georg eine Trainerausbildung in Gewaltfreier Kommunikation (GFK) gemacht und gab jetzt Workshops darin. Als guter Freund kam ich natürlich auch mal mit und hörte mir alles interessiert an (auch wenn Georg im Gegenzug leider nicht zu meinen Punkrock Konzerten kam).

Wenn ich heute zurückdenke, was soulbottles über die Jahre zusammengehalten hat, steht die Gewaltfreie Kommunikation für mich ganz weit oben auf der Liste.

 

Was ist Gewaltfreie Kommunikation eigentlich?

Über dieses Thema lassen sich natürlich ganze Bücher schreiben. Und das wurden sie auch. Hier nur zwei Empfehlungen, beide von Marshall B. Rosenberg, der das Konzept entwickelt hat: Gewaltfreie Kommunikation - Eine Sprache des Lebens und Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation. Das zweite bekommt übrigens jede*r neue soulbottles Mitarbeiter*in zum Arbeitsanfang geschenkt. Daher werde ich hier gar nicht den Versuch machen, alles zu erklären, dass wurde an anderer Stelle einfach schon viel besser gemacht. Sogar der Wikipedia Artikel ist ziemlich gut. Ich will hier lieber versuchen, drei Fragen zu beantworten:

  1. Was bringt GFK überhaupt auf Unternehmensebene?
  2. Was genau machen wir denn bei soulbottles?
  3. ...und lohnt sich das?

 

GFK im Unternehmensalltag – Ein „urteilsfreier” Raum

Für mich ist eines der wichtigste Elemente der GFK die Grundüberzeugung, dass alles, was Menschen tun, der – mehr oder minder geglückte – Versuch ist, sich positive menschliche Bedürfnisse zu erfüllen. Bedürfnisse, die wir alle haben.

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Darauf basiert im weitesten Sinne alles, was man durchs Lesen der Bücher oder mit dem Besuch von Seminaren lernen kann. Viele Menschen kennen GFK vor allem als „Konflikt-Lösungs-Tool” oder als „Sprach-Anleitung”, doch für mich steht viel mehr dahinter.

Wenn ich davon ausgehe, dass alle Menschen die gleichen Bedürfnisse haben, kann ich auch für alle Menschen Empathie empfinden und mich in alle Menschen hineinversetzen. In bestimmten Situationen ist das natürlich schwieriger als in anderen; zum Beispiel wenn ich gerade viel Stress oder Wut empfinde oder wenn Menschen sich total gegen meine Werten verhalten.

Eine Kernunterscheidung in der GFK ist zwischen Bedürfnis und Strategie. Die Strategie ist der individuelle Weg, wie man sich ein Bedürfnis erfüllt. Oft treten Konflikte auf der Strategieebene auf. Ein Beispiel:

Wenn sich jemand das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit z.B. damit erfüllt, in dem sie sich einer rechtsradikalen Schlägertruppe anschliesst, finde ich das extrem problematisch. Wenn sie mir dann noch eine reinhaut, weil sie sich Anerkennung und Respekt von ihren Freunden wünscht, bin ich wahrscheinlich am Ende meiner Empathiefähigkeit.

Das Bedürfnis nach Gemeinschaft kenne ich aber, und auch den Wunsch nach Anerkennung und Respekt kann ich zumindest auf Bedürfnisebene nachvollziehen.

Mit jemandem Empathie zu empfinden heißt ja auch nicht, dass man mit der Wahl der Strategie einverstanden ist oder das man ein solches Verhalten tolerieren müsste.

Nun kommt es in den wenigsten Arbeitsalltagen zu solchen Extremsituationen. Aber es kommt häufig zu Momenten, wo Menschen unterschiedlicher Meinung zu etwas sind, sich über andere ärgern oder Erwartungen enttäuscht werden. Und manchmal geraten diese Menschen dann auch aneinander. Oft „trauen” sich dieselben Menschen dann nicht, bestimmte Dinge zu sagen, aus Sorge, dass andere sie dann nicht verstehen, sie verurteilen oder die Beziehung darunter leidet.

Wenn ich aber eine Haltung mitbringe, in der ich zumindest versuche, empathisch mit allen Menschen zu sein und gleichzeitig auch die Erwartung haben darf, dass die anderen mir genauso begegnen, dann entsteht ein ganz spannender Raum. Etwas, das wir bei soulbottles den „urteilsfreien Raum” nennen.

Wenn ich Menschen frage, wodurch sich ihre besten Freundschaften ausdrücken, kommen oft Sätze wie „wir können uns einfach alles sagen” oder „wir sind schon durch gute und schlechte Zeiten gekommen”. Interessanterweise bekomme ich oft fast die gleiche Antwort, wenn ich frage was denn den besten Chef oder die beste Chefin im Leben ausgezeichnet hat. Das ist genau das Grundklima, das wir bei soulbottles erzeugen möchten.

 

Was sind die Auswirkungen?

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Der Effekt von GFK bei soulbottles ist gar nicht so einfach zu erfassen und auch nicht einfach in Worte zu kleiden, aber hier einige Aussagen die ich immer wieder über das „Arbeitsklima” bei uns höre:

  • Ich habe mehr Sicherheitsgefühl, ich verspüre weniger Anspannung, ich muss niemanden was beweisen
  • Es herrscht viel Ehrlichkeit und ich habe keine Sorge, dass jemand über mich lästert
  • Ich vertrauen, dass meine Kollegen mit mir zufrieden sind, sonst würden sie etwas sagen
  • Ich habe hier mehr Spaß und brauche mich nicht verstellen. Ich werde hier so akzeptiert, wie ich bin
  • Ich habe leichteren Zugang zu meiner Kreativität, weil alles „erlaubt ist”
  • Es fällt mir leichter, hier Selbstverantwortung zu übernehmen
  • Es gibt hier viel weniger „Bürokrieg„, also weniger Konflikte, die unter der Oberfläche schwelen und nicht angesprochen werden
  • Es gibt weniger „Egotrips„ und alle kommen in Meetings zu Wort
  • Ich fühle mich produktiver, ich muss nicht taktieren, sondern kann mich auf’s Wesentliche konzentrieren

Die meisten Aussagen kann ich gut nachvollziehen, wobei meine Erfahrung in anderen Organisationen recht überschaubar ist.

 

Wie sieht das jetzt konkret bei soulbottles aus?

Einen solchen Raum zu erschaffen und zu halten ist nicht einfach und braucht Zeit und Arbeit. Und aus Gründer-Perspektive ist zu Beginn vor allem die Vorbildfunktion essentiell.

Georg und ich haben von Anfang an klar gemacht, dass Konflikte für uns normal sind und wir sie als Chancen sehen, zu lernen. Das ist natürlich total der StartUp-Sprech und viele sagen das. Aber wir haben es ziemlich gewissenhaft durchgezogen und versucht, es tagtäglich wirklich zu leben.
Wir haben es nie versteckt, wenn wir mal nicht einer Meinung waren, und haben manche Streitfragen auch offen ausgetragen - doch gleichzeitig nie die Wertschätzung und Empathie für den anderen verloren.

Andere Maßnahmen sind über die Zeit gewachsen: Inzwischen startet fast jedes Meeting mit einem Check-in, also der Frage „Wie geht’s dir gerade?” Wir verstehen das als Einladung, kurz in sich hineinzufühlen und zu gucken was gerade hoch kommt, das zu teilen und dann loszulassen, so das man sich möglichst gut auf das Meeting konzentrieren kann.
Da kann sein, dass es ein „Mir geht’s super, weil es gerade mein Lieblingsessen gab und ich bin satt und happy”, zu „Ich habe gerade total Stress zu Hause, weil ich mit meinem Mitbewohner gestritten” hab. Vielleicht aber auch echte Trauer und Angst, weil gerade jemand aus der Familie krank ist.

Alle neuen „soulies” haben bei uns die Möglichkeit einen GFK-Einführungsworkshop zu besuchen – die dauern normalerweise 2,5 Tage und bieten einem die ersten Basics. So einen Workshop kann ich guten Gewissens wirklich jedem Menschen empfehlen.

Für Mitarbeiter*innen, die länger als ein Jahr bei uns sind, gibt es die Möglichkeit auch eine GFK-Intvensivausbildung zu machen, das sind meist 20 Trainingstage über ein Jahr verteilt. Die Ausbildung bietet die Möglichkeit zu üben und sich intensiv mit den „eigenen Themen” auseinanderzusetzen.

Wir fahren zweimal im Jahr auf Teamtage. Das machen natürlich viele Unternehmen. Doch in meiner Erfahrung kommt es dann häufig zu recht oberflächlich „Team-Building-Exercises”. Die machen zwar Spaß und können auch sinnvoll sein, aber wir haben für uns gemerkt, dass wir am meisten mitnehmen, wenn wir uns so richtig „Hippie-mäßig” auf einem Bauernhof auf dem Land zurückziehen und „Gemeinschaftsarbeit” machen. Dafür holen wir uns dann externe Trainer die z.B. Erfahrung aus Kommunen und Öko-Dörfern mitbringen. Und ja, abends sitzen wir auch mal mit der Gitarre ums Lagerfeuer.

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Einmal im Monat gibt es bei soulbottles ein „Clearing the Air”-Meeting. Das ist freiwillig und offen für alle. Wir kommen zusammen, schalten Computer und Handys aus, machen die Tür zu und kommen etwas runter. Das Meeting wird moderiert und besteht meistens aus 4 Runden:
Zuerst nehmen wir uns Zeit zu hören, was gerade bei den einzelnen Menschen los ist. Wir nennen es „Feiern & Bedauern”, also einfach teilen was gerade toll läuft und was gerade vielleicht nicht so toll läuft, egal ob das jetzt mit der Arbeit oder dem Privatleben zu tun hat. Wichtig ist dabei, dass wir weder unterbrechen noch kommentieren; sondern dem Einzelnen wirklich den Raum geben, das zu kommunizieren, was er oder sie gerade braucht und spürt.
In der zweiten Runde stellen wir die Frage „Gibt es Konflikte mit jemandem im Raum, die ich gerne ansprechen würde?”. Da knistert der Raum dann manchmal ein wenig. Wir ermutigen immer, auch kleine Irritationen und Frustmomente anzusprechen. Da wir eine Moderation haben, können wir viele Dinge dann meistens schon im Meeting klären.
Die dritte Runde ist die Wertschätzungsrunde, denn auch Danke sagen kommt im stressigen Alltag häufig zu kurz. Daher machen wir hier speziell den Raum auf mit der Frage „gibt es etwas, wofür du jemandem im Raum dankbar bist?”
Die letzte Runde ist dann ein kurzer Check-Out mit der Frage „wie geht’s dir jetzt, wie war das Meeting für dich?”, womit wir unser Treffen beenden.

 

...und lohnt sich das?

Wenn ich erzähle, was wir bei soulbottles so alles machen, bekomme ich manchmal die Rückmeldung. „Was das alles kostet! Das kann sich ja gar nicht lohnen.” Ich möchte das Thema daher mal von der betriebswirtschaftlichen Seite beleuchten:

Letztes Jahr haben wir ca 0,5% unseres Umsatzes für Ausbildungen und Fortbildungen ausgegeben. Der GFK-Teil hat da bestimmt den größten Teil eingenommen, verglichen mit anderen Unternehmen ist das aber noch vollkommen im Rahmen.

Ein souli steckt außerdem bis zu 5% ihrer Arbeitszeit in Fort- und Weiterbildung bzw. in Gemeinschaftsarbeit wie das „Clearing the Air”-Meeting. Wenn man das zu den Ausgaben hinzurechnet, kommt man auf ca 1,5% vom Umsatz.

Aus meiner unternehmerischen Perspektive denke ich mir bei diesen Zahlen:
Wenn ich mir für diesen Preis die Blockade und die Grabenkämpfe, die ich in anderen Unternehmen sehe, sparen kann; und wenn ich so die Potentiale unserer Mitarbeiter*innen besser nutzen kann und Selbstverantwortung und Kreativität fördern kann, ist das ein echt guter „Deal”. (Und das auch wenn ich ich im Alltag viel weniger in diesem „abwägendem” Denken sein möchte, hierzu noch ein spannender Artikel).

Ich weiß natürlich nicht, wie soulbottles ohne die GFK aussehen würde, aber ich schaue mit viel Dankbarkeit auf die Jahre zurück und mit viel freudiger Erwartung in die Zukunft. Und ja, ich würde es wieder so machen!

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Weitere Empfehlungen & Links

Georg und ich haben unsere Intensivausbildungen bei Klaus Karstädt gemacht. Auf Youtube gibt es noch Videos mit ihm. Seminare gibt er keine mehr, er ist im Jahr 2018 verstorben.

Meine Mediationsausbildung habe ich bei Alexandra Boos und Markus Fischer gemacht, mit denen wir auch für die Intensivausbildungen viel zusammenarbeiten. Markus hat auch super Videos zu Holakratie und Gewaltfreier Kommunikation auf Youtube.

Einführungsworkshops in Berlin kann man gut bei Marius und Charlotte machen.

Miha von der Conflict School unterstützt uns mit Workshops, Mediationen und vielem mehr.

Im ZEGG haben wir gerade am Anfang unsere Team Retreats gemacht, es gibt dort Veranstaltungen und Seminare zu sehr vielen unterschiedlichen Themen.

Und natürlich könnt ihr auch uns kontaktieren für Führungen, Impulsvorträge und Workshops, wenn ihr die volle „soulbottles experience” haben möchtet: Schreibt uns einfach unter hello@soulbottles.com.