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„Wir stehen auf unserer Reise noch am Anfang”: Zwei soulies über ihre Rassismuserfahrungen

Mit unserer Aktion „Let their voices be heard” möchten wir auf Rassismus aufmerksam machen. Das heißt für uns auch, den Blick nach innen zu richten und unsere internen Strukturen zu hinterfragen. Wo stehen wir, was müssen wir verändern, um Rassismus im Arbeitsalltag zu vermeiden – und vor allem, wie geht es unseren Mitarbeitenden, wann und wie haben sie Diskriminierung erlebt? Hier berichten zwei Menschen, die sich zum Thema äußern wollten, von ihren Erfahrungen bei und ihren Wünschen an soulbottles.

Hinweis: Die folgenden Protokolle enthalten sensible Inhalte und schildern persönlich erlebte rassistische Situationen

Eri

Ich bin Eri und habe als Campaignerin unter anderem die Let their voices be heard Kampagne konzipiert. Als ich anfing bei soulbottles zu arbeiten, war ich von den Angeboten beeindruckt, die auf zwischenmenschliche Weiterbildung abzielen. Darunter auch Workshops zu Gewaltfreier Kommunikation oder Tupoka Ogettes „exit RACISM” Workshop. Ich hatte den Eindruck, dass wir uns hier kritisch mit diesen Themen auseinandersetzen und „besser” als andere Unternehmen seien. Früher oder später kam es natürlich trotzdem zu rassistischen Begegnungen. Schließlich ist niemand frei von den Rassismen mit denen wir sozialisiert wurden (mich eingeschlossen). 

 

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Meine erste bewusst erlebte Rassismuserfahrung bei soulbottles war folgende: Nachdem ein soulie ein Telefonat mit einer Person beendete, deren Unternehmen in Japan verortet ist, sagte er in einem stereotypischen „asiatischen” Akzent „nǐ hǎo”. Nach meiner Anmerkung, dass dies rassistisch gewesen sei, fragte ein anderer soulie, ob es denn auch rassistisch gewesen wäre, wenn ich nicht im Raum gewesen wäre. Es gab ein hin und her von Erklärungsversuchen auf meiner und viel Abwehr auf der anderen Seite. Irgendwann habe ich mich der Situation entzogen und die Sache unter den Tisch fallen lassen. Ich habe es nicht wieder angesprochen. Die anderen hielten es wohl auch nicht für nötig.

„Es ist ein langwieriger Prozess, der weh tut”

Wie viele andere Unternehmen stehen wir auf unserer Reise noch am Anfang. Denn nur weil man an einem Antirassismus-Workshop teilgenommen hat, verschwinden rassistische Denkmuster nicht plötzlich. Das ist ein langwieriger Prozess, der weh tut und bei dem man viel falsch machen kann, aber auch immer besser darin wird, rassismuskritisch zu denken. Der Weg dorthin ist für uns alle hart und niemand ist perfekt. In vielen Fällen stoße ich bei soulbottles auf offene Ohren, Empathie und den Wunsch, es besser zu machen. In anderen Fällen stoße ich auf white fragility, Täter*innen-Opfer-Umkehr und den Satz „das war doch nicht so gemeint“. Es wäre utopisch zu glauben, dass die diskriminierenden Strukturen unserer Gesellschaft keinen Einfluss auf unser (unterbewusstes) Denken und Handeln hätte. Das ist schwer zu hören, geschweige denn zu akzeptieren. Aber nur mit dieser Akzeptanz des eigenen internalisierten Rassismus’, kann man ihn Stück für Stück bei sich selbst und zusammen mit anderen Menschen abbauen.

 

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Geht dem Thema nicht aus dem Weg. Lasst den Prozess nicht schleifen. Macht die Augen nicht wieder zu! Das sind weiße Privilegien, die wir BIPoCs nicht haben. Tauscht die Empörung („Ich bin doch kein*e Rassist*in!“) mit „Aha!”-Momenten aus und lasst darauf offene Gespräche folgen, wenn jemand euren Rassismus benennt. Lernt gemeinsam aus diesen Situationen, wie man es noch besser machen kann. So lange, bis es alle, die ihr kennt verstanden haben. Nur zusammen können wir uns einer rassismuskritischen Gesellschaft annähern. Und das ist neben „Trinkwasser für alle“ doch ein ziemlich starker Purpose, oder?

Jazz

Ich bin Jazz, heiße eigentlich Yasemin, doch so werde ich (auf eigenen Wunsch) selten genannt. Bei soulbottles bin ich seit Dezember 2019 und habe erst als Weihnachtsaushilfe in der Logistik angefangen. Im Januar 2020 bin ich zu meiner großen Freude dann übernommen worden und fülle neben den Rollen in der Logistik seitdem noch die Rolle als Feelgood Managerin, sowie seit neuestem auch die Rolle Offline Marketing.

Einen besonderen Umgang mit dem Thema Rassismus habe ich anfangs nicht direkt verspürt. Jedoch habe ich soulbottles von Anfang an als sehr offen und divers wahrgenommen, gerade in der Logistik. Was ich später und eher am Rande mitbekommen habe war, dass es den internen Workshop von und mit Tupoka Ogette „exit RACISM” gab. Da ich zu dem Zeitpunkt noch als befristete Aushilfe angestellt war, stand ich da leider etwas außen vor. Ich hätte diesen sehr gerne mitgemacht und finde es wirklich schade, dass ich als Aushilfe nicht involviert war. Auch, dass Tupokas Buch „exit RACISM” bei uns ein Standardwerk ist, welches alle Mitarbeitenden zum Einstieg bekommen, wusste ich bis vor einiger Zeit nicht. Jetzt habe ich es aber und es steht ganz oben auf meiner To-Read-List!

 

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Eine direkte Rassismuserfahrung habe ich bei soulbottles bisher noch nicht gemacht, aber gegenüber anderen Mitarbeitenden gab es eine Situation, die mir in Erinnerung geblieben ist. In unserer Logistik arbeiten ein paar Menschen mit Sprachbarriere. An einem Tag wurde von unserer Personalverwaltung die Bitte ausgesprochen, dass diesen Kolleg*innen ein wichtiger interner bürokratischer Prozess erklärt wird, also habe ich mich dieser Sache angenommen. Ein anderer Kollege kam irgendwann dazu und hat sich darüber aufgeregt, warum das so lange dauern würde. Kurze Zeit später beschwerte er sich erneut. Ich war ziemlich empört darüber, habe es mir jedoch nicht anmerken lassen und versucht, ruhig darauf zu reagieren.

„Menschen mit Sprachbarriere fühlen sich nicht wirklich als Teil des Teams”

In meinen Augen war sein Verhalten diskriminierend. Für mich, die selber einen Migrationshintergrund hat und hingegen fließend deutsch spricht, war es erfahrungsgemäß trotz allem völlig klar, dass man sich hier manchmal die Zeit und Geduld nehmen, sowie Dinge oft mehrmals erklären muss, bis es wirklich verstanden wird. Es endete irgendwann damit, dass der betreffende Kollege einen der Mitarbeitenden selber zur Seite genommen hat, um das Thema selbst in einem Satz zu erklären – und dabei auch noch Fremdwörter benutzte. Mich hat das Ganze im Nachhinein noch beschäftigt, weil ich es nicht in Ordnung fand, dass der Kollege kein Feingefühl und Verständnis für die Situation aufgebracht hat. Vielleicht habe ich mich sicherlich ab einem gewissen Punkt auch persönlich „angegriffen” gefühlt, weil ich nicht einordnen konnte, woher das Unverständnis und der Unmut für diese spezielle Situation kam. Deswegen musste ich im Anschluss mit einigen anderen anwesenden soulies darüber sprechen und hab mir diesbezüglich Empathie geholt.

 

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Generell fällt mir auf, dass sich diese Menschen mit Sprachbarriere nicht wirklich als Teil des Teams fühlen, weil sie aufgrund dessen bei vielen Dingen nicht involviert werden. Das sorgt für Spannungen bei den Betroffenen, gleichzeitig auch bei mir persönlich. Denn ich finde es schwierig, dass den Menschen im Alltag eine Art „Sonderbehandlung” zuteil wird. Etwa, dass sie bei manchen Aufgaben, internen Prozessen oder auch Veranstaltungen „geschont” werden sollen. In meinen Augen ist das keine gelungene Integration. Dazu muss ich erwähnen: Bei soulbottles werden Sprachkurse finanziell gefördert. Doch beim Umgang mit dem Thema bin ich hin- und hergerissen. Ich finde es zwar wichtig, dass alle Mitarbeitenden deutsch verstehen, aber gleichzeitig wünsche ich mir mehr Integration bei Sprachbarrieren und sehe dafür noch keine richtige Lösung.

„Mein Migrationshintergrund wird nicht als Ausschlusskriterium gesehen”

Das klingt jetzt wahrscheinlich für die meisten seltsam oder nicht nachvollziehbar, aber für mich persönlich kann ich sagen, dass ich bei soulbottles zum ersten Mal in meinem Arbeitsleben das Gefühl habe, wirklich ich selbst sein zu können. Dass mein Migrationshintergrund nicht als ein „Ausschlusskriterium” für Rollen mit einer gewissen Verantwortung gesehen wird. Mir wird im Vorfeld kein Stempel aufgedrückt und es zählt einfach nur, ob ich ein Role-Fit bin und nicht welchen ethnischen Hintergrund ich habe, der ohnehin überhaupt gar nichts über mich als Person oder meine Skills aussagt.

Zudem kann ich mich bei soulbottles erstmalig mit der Kultur, in der ich aufgewachsen bin, gerne „zeigen”. Das merke ich bei Kleinigkeiten, wie etwa, dass ich in der Logistik auch mal türkische Musik laufen lassen kann, ohne mich dabei unwohl zu fühlen. Grundsätzlich glaube ich, dass wir als Unternehmen auf einem guten Weg sind, wie mit dem Thema Rassismus umzugehen ist – wir stecken hier meines Erachtens aber noch in den Kinderschuhen. Trotzdem feiere ich es, dass es bereits Angebote gibt und wir uns durch diese Kampagne noch mehr und vielfältig mit Antirassismus und Diskriminierung auseinandersetzen. Es sollte uns aber allen klar sein, dass es ein dauerhafter Prozess ist und alle Mitarbeitenden ihr Wissen immer wieder auffrischen müssen.

 

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