Fast ein Liebesbrief:
unsere Flaschenpost.

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Made in China: Glasklare Produktion Teil 3: Arbeitsschutz

Zum Launch der neuen soulbottles steel kommt hier der nächste Artikel mit Blick hinter die (Produktions)-Kulissen. Wir stellen euch einige Maßnahmen vor, die wir mit unserem chinesischen Lieferanten zum Thema Arbeitsschutz umgesetzt haben.

Wir von soulbottles möchten mit unseren Produkten in China (und überall auf der Welt) für bessere und sichere Arbeitsbedingungen sorgen. In der Stahlflaschenproduktion gibt es noch viele Herausforderungen. Ich habe euch hier schon erzählt, was unsere Motivation und unsere Hoffnungen rund um die Produktion unserer soulbottles steel in China sind. Im letzten Artikel bin ich auf das Thema Brandschutz etwas tiefer eingegangen. Hier möchte ich jetzt über Arbeitsschutz und Sicherheitsausrüstung sprechen.

 

Thema Arbeitsschutz: Der Mensch ist keine Maschine

Ich finde es wichtig, hier nicht gleich bei Helm und Sicherheitsschuhen anzufangen, sondern das Thema Arbeitsschutz in den größeren Kontext einzubetten. Also bitte dran bleiben, aber ich hole kurz aus…

Fast alle Dinge, die wir im Alltag nutzen, werden industriell und massenweise hergestellt. Und industrielle Fertigung ist nicht per se schlecht. Erst dadurch, dass Produkte in großen Mengen hergestellt werden, werden sie für viele Menschen bezahlbar. Ich werde hier keine Lobeshymne auf diese Entwicklung halten, denn mir ist natürlich klar, dass damit auch die Idee des Massenkonsums einhergeht. Und damit viel zu oft eine Kombination aus zerstörerischer Produktion, gierigen Organisationsstrukturen und gedankenlosem Konsum, die maßgeblich die großen Probleme unser Zeit verursacht. Gleichzeitig ist unser heutiges Leben ohne Formen der Massenproduktion nicht denkbar. Wie können wir diese also menschenfreundlicher gestalten  angefangen, Stichwort Arbeitsschutz, bei den Menschen in den Fabriken?

Wenn ich Worte wie Massenproduktion höre, dann denke ich immer an Fließbänder und Roboter, die alles von alleine machen. Aber der meiste Kram, der gerade in deiner Wohnung rumliegt, wurde wahrscheinlich von Menschen produziert (von denen viele natürlich an oder mit Maschinen arbeiten). Damit Menschen diese Dinge schnell produzieren können, teilt man Arbeitsprozesse auf. Sprich, ein Mensch macht an einer Station nur wenige Handgriffe. Dafür sind wir aber von Natur aus nicht geschaffen. Menschen sind evolutionär eher dafür gemacht, den ganzen Tag durch den Wald zu laufen, zu sammeln, zu jagen und sich um die Gemeinschaft zu kümmern. Wenn wir den ganzen Tag nur noch eine Sache tun, wie etwa Blogartikel am Laptop schreiben oder die Bodenplatte an eine Stahlflasche schweißen, entsteht das Risiko einer dauerhaften, einseitigen Belastung. Nach dem deutschem Gesetz ist der Arbeitgeber verpflichtet, Arbeitsplätze auf Gefährdungen hin zu prüfen und entsprechende Maßnahmen umzusetzen. In sexy Beamtendeutsch heißt das Gefährdungsbeurteilung. Hier fängt das Thema Arbeitsschutz an. Danke für’s durchhalten.

 

 

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Stahlproduktion in China: Alle Arbeitsschritte prüfen

Als wir überlegten in China zu produzieren, wollten wir auch Verantwortung für die Arbeiter*innen in unserer Partnerfabrik übernehmen. Daher haben wir früh das Thema Arbeitsschutz und Schutzausrüstung angesprochen. International wird das häufig mit PPE abgekürzt, das steht für „Personal Protective Equipment“, bedeutet aber das Gleiche. Für unsere soulbottles steel ergab das eine Reihe von Fragen: Was gibt es bei einer Edelstahlflasche für Arbeitsschritte und welche werden direkt von Menschen ausgeführt? Was braucht es für Ausrüstung? Und wie umgehen mit den Gewohnheiten der Arbeiter*innen? Hier ein Überblick über unsere Erfahrungen und Maßnahmen vor Ort.

 

  1. Zunächst müssen die Rohlinge zugesägt werden, das ist laut. Beim ersten Treffen in China wurde ich noch komisch angeschaut, als ich die Dezibel gemessen habe (das könnt ihr auch selbst machen, es gibt da so Apps, die zeigen, wie viel Dezibel zu viel ist. Das wird übrigens diskutiert und es gibt immer wieder neue Studien dazu, aber dauerhaft mehr als 60 Dezibel sind ziemlich sicher ungesund). Wir haben in unserer Partnerfabrik dafür gesorgt, dass immer genügend Gehörschutz zur Verfügung steht, genauso wie bei der soulbottles-Produktion in Berlin.
  2. Um den Hals unserer Edelstahlflasche zu formen, braucht es sehr viel Kraft. Wir machen das mit Wasserdruck, dem sogenannten Hydroforming. Dabei werden ständig die Hände nass. An dieser Arbeitsstation braucht es daher Schürzen, wasserfeste Schuhe und Handschuhe.
  3. Dann werden Boden und Mundstück angeschweißt. Dieser Schritt erfordert in Sachen Arbeitsschutz ordentliche Schweißmasken für die Augen.
  4. Dann muss die Flasche noch durch ein Säurebad, das sogenannte Beizen. Dabei verwendet man viel Säure, hier ist also besonders viel Vorsicht geboten. Handschuhe, Gummistiefel und Mundschutz sind ein Muss. Dieser Arbeitsschritt wird mittlerweile bei einem Partner gemacht, der sich nur auf diesen Prozess spezialisiert und sehr gute Maßnahmen ergriffen hat. Seit einigen Jahren überprüft hier auch die chinesische Regierung deutlich strenger. Auch, was die korrekte Entsorgung der Chemikalien angeht.
  5. Danach muss die Flasche geschliffen werden, damit sie glänzt – außer unsere Industrial, da fehlt dieser Schritt, damit sie ihren matten Look behält. Die Menschen an den Stationen, an denen geschliffen wird, brauchen Masken, die Feinstaub rausfiltern. Durch die Corona-Pandemie sind wir ja alle totale Masken-Geeks geworden und wissen, dass es zumindest eine FFP2 braucht, um die Träger*innen zu schützen. In vielen Betrieben haben wir leider gesehen, dass mit einfachen OP-Masken gearbeitet wurde. Diese schützen nicht ausreichend. 
  6. Normalerweise ist der nächste Schritt dann, die Flasche zu lackieren oder zu bedrucken. Wir haben uns entschieden, die soulbottles steel nicht in China zu bedrucken, sondern in Deutschland, weil wir so flexibler sind. Aber natürlich achten wir trotzdem darauf, dass auch hier in unserer Fabrik die Masken getragen werden. Denn für das Auftragen von Farbe braucht man sogar noch eine krassere Maske als für das Schleifen – habt ihr vielleicht schon mal bei Graffiti-Künstler*innen gesehen.

 

 

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Arbeitsschutz in Theorie und Praxis lernen

Viele Unternehmen würden einfach nur die passende Ausrüstung kaufen und sich dann darauf ausruhen. Doch das reicht uns in Sachen Arbeitsschutz nicht. Denn das Problem ist, dass viele Arbeiter*innen die Ausrüstung ungern benutzen. Masken etwa sind nicht besonders bequem und die negativen Auswirkungen, wenn man sie einfach weglässt, nicht sofort spürbar. Daher unterstützen wir unsere Partner auch darin, entsprechende Aufklärung zu betreiben. Und zwar über Kurse wie diese:

 

  • Wir haben gemeinsam mit dem Management vor Ort beschlossen, den ersten Kurs zum Thema „Fire/building safety & hazard management“ für die vielen neuen Mitarbeiter*innen dieses Jahr nochmal zu wiederholen

  • Im Februar 2021, nach dem chinesischen Neujahrsfest, werden wir dann mit dem zweiten Kurs zum Thema „Health & Hygiene“ starten

  • Da die Kurse online stattfinden, können wir den Fortschritt jedes/r Einzelnen verfolgen und unsere Maßnahmen den Bedürfnissen vor Ort anpassen 

 

Außerdem hoffen wir, dass sich die Maßnahmen, die wir in einer Fabrik umsetzen, auch auf andere Unternehmen übertragen. Und wir selbst sind auch noch lange nicht am Ende der Dinge, die man verbessern könnte. Etwa zum Thema Körperhaltung. Einseitige Haltung ist nicht gut für den Rücken, das wissen auch alle, die viel am Schreibtisch arbeiten. Wir würden daher gern mehr Wechsel und Pausen und in Zukunft vielleicht sogar ein Sport- und Dehnprogramm anbieten. Aber es ist wichtig, einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Wir suchen nicht nach schnellen Lösungen, die gut auf Instagram aussehen, sondern versuchen, langfristigen systemischen Wandel zu bewirken.

  

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